Perspektive: Wissenschaft- und (Markt-)Forschung | impulse4travel

13. Juli 2012, 16:13: Perspektive: Wissenschaft- und (Markt-)Forschung


These 20: Tourismusforschung 0.0: Wir wissen, dass wir nichts wissen!

Branchen-, Umwelt- und Technologiedynamik implizieren einen neuen Erkenntnisbedarf in Wissenschaft und Marktforschung. Fundamentale Fragen der Tourismusforschung wie z.B. die Veränderung der Praxis des Reisens durch neue Technologien und den daraus resultierenden soziotechnischen Konstellationen, sind nahezu unerforscht. Belastbare praxisrelevanten wissenschaftliche Modelle (z.B. Technologie-Benchmarking) und Kennziffern (z.B. KPIs) fehlen bzw. haben noch keine Markt-Awareness.

These 21: Die Wissenschaft ist tot – es lebe die Wissenschaft – vor allem im Tourismus

Zur Professionalisierung und Renditesteigerung der Branche muss die Rolle der Tourismuswissenschaft in Universitäten und Fachhochschulen gestärkt werden.

Ein Rückzug der Universitäten aus der Tourismusforschung schadet nachhaltig der Branche. Wertschöpfung und Wertschätzung des Tourismus resultieren aus der Präsenz und der Qualität der Tourismusstudiengänge.  Gerade die Tourismuswissenschaft muss Potenziale der Interdisziplinarität (Betriebswirtschaft, Geographie, Psychologie, Soziologie, etc.) ausschöpfen und in ihrer alltäglichen Wissenschaftspraxis leben.

Auch die Tourismusunternehmen selbst müssen sich interdisziplinärer und folglich näher an Universitäten verschiedeneer Fächer positionieren (Betriebswirtschaft, Wirtschaftsinformatik, IT etc.).

These 22: Neue Methoden und Datenquellen liegen auf der Straße

Die Vielzahl der durch neue Technologie entstandenen Forschungsmethoden und Datenquellen werden in Wissenschaft und Marktforschung bislang noch unzureichend genutzt.

Die Digitalisierung wirkt sich nicht nur auf den Tourismus, sondern auch auf die wissenschaftlichen Methoden und Prozesse per se aus. In der Tourismuswissenschaft werden allerdings diese alternativen digitalen Wege von Vermittlung und Publikation (z.B. Open Access) wissenschaftlichen Ergebnisse unzureichend erschlossen. Aufgrund ubiquitär verfügbarer digitaler Daten sind neue wissenschaftliche Forschungsmethoden (z.B. ethnographische Ansätze, Soziale Netzwerkanalysen) notwendig. Bisherige Marktforschungsmethoden (z.B. quantitative Fragebögen) und damit erhobene Daten beschreiben den Konsumenten nicht ausreichend. Es ist stattdessen eine permanente detaillierte Marktbeobachtung notwendig, die das allgemeine Konsumentenverhalten präziser zeichnet.

These 23: Kunden- & Technologieorientierung rücken in den Fokus der Tourismusausbildung

Derzeit ist an deutschen Universitäten die Digitalisierung der Gesellschaft und die Auswirkungen  auf den Gast und seine Reise kein expliziter Ausbildungsinhalt. Die Flexibilität von Studienabläufen und Modulbeschreibungen muss der wachsenden Veränderungsdynamik gerecht werden.

These 24: Gesucht:
Der Tourismus braucht Wissensarbeiter mit innovativer Ausbildung

Frontale Lehrmethoden der Tourismusausbildung müssen durch innovative Methoden ersetzt werden – von eLearning bis hin zu open innovation Netzwerken. Die Förderung von Eigeninitiative, Kreativität und digitalem kundenorientierten Denken sollen im Fokus der Lehrmethoden stehen. Sie müssen darauf ausgerichtet sein, sozial kompetente und allgemein gebildete Wissensarbeiter mit expliziten Spezialfähigkeiten, der Wissenschaft und der Praxis zur Verfügung zu stellen.

These 25: War of talents:
Eine Annäherung von Tourismuspraxis und Tourismusforschung ist unabdingbar

Um High Potentials an die Tourismusbranche heranzuführen und zu binden ist eine intensivere Zusammenarbeit von Praxis und Wissenschaft notwendig. Universitäten und Hochschulen sind nur bei intensivem Wissens- und Datentransfer aus der Praxis in der Lage, Absolventen hervorzubringen, die den aktuellen Anforderungen entsprechen. Kurzfristige Auftragsforschung muss durch Investitionsbereitschaft der Branche in langfristiger Grundlagenforschung umgewandelt werden. Gegenseitige Akzeptanz und Wertschätzung ist Grundlage einer zukunftsfähigen und gesunden Tourismuswirtschaft. Institutionalisierte Treffen und Plattformen für einen engeren Austausch beider Seiten sind notwendig.